Optisches Konzert

Manfred P. Kage (1935-2019) gehörte weltweit zu den herausragenden Persönlichkeiten der künstlerischen und professionellen Mikrofotografie.

Er wird mit seinen verschiedenen Tätigkeits- und Interessensbereichen sowie Erfindungen als Visionär, Pionier, Freidenker und zu seinen Lebzeiten als eines der wenigen noch lebenden „Allroundgenies“ beschrieben.

In seinem speziellen Arbeitsbereich, der Synthese aus Wissenschaft und Kunst („Science Art“, ein von Kage seit 1966 für sein Kunst geprägter Begriff), sowie der Multimedia- und Videokunst hat er frühe und sehr wichtige Leistungen erbracht sowie bahnbrechende Erfindungen und Innovationen kreiert. Kage wird daher insbesondere auf diesen Gebieten als einer der weltweit wichtigsten Vordenker und als renommierter Künstler genannt.

Kage erzählte von dem Moment, als er als Achtjähriger während der Kriegszeit zum ersten Mal durch ein Mikroskop schaute: "Dass die Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen, war für mich damals eine Erleuchtung, es war als hätte sich die Tür zu einer geheimnisvollen Welt geöffnet - zu einem Universum, das man Stufe um Stufe erkunden und Einsichten gewinnen kann."

Mit innovativen Techniken zur Darstellung in der künstlerischen Fotografie sowie der Multimedia- und Videokunst, drang Manfred P. Kage seit 1956 in neue visuelle Sehwelten vor und erreichte bei seinen mikrofotografischen und apparativen Kunstwerken eine Ästhetik ganz eigener Dimension. Systematisch und empirisch bearbeitete er daher das Übergangsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst.

In der Darstellung der Komplexität der Wunder der Natur zwischen Erde, Luft und Wasser und insbesondere ihrer Schönheit und ihrer Sensibilität, in der Visualisierung des Unsichtbaren sowie der fotografischen Betrachtung intelligenten Designs sah Kage eine fantastische Herausforderung.

Der Wunsch und die Neugier zu erfahren und darzustellen, was die Welt im Innersten zusammenhält, trieben sein Wirken an.

Kages Bestreben war es, nicht ausschließlich ein reines Abbild wissenschaftlichen Inhalts zu erschaffen, er wollte die Grenzen des Denkbaren sprengen, mutig in neue Wissensbereiche vordringen und verborgene Welten in all ihrer Schönheit den Betrachtern durch seine Werke näher bringen. Er eröffnet ihnen damit die enge Verbindung der Menschen zur Mikrowelt und den Platz dessen in einem größeren System.

Mit dieser Vision manifestiert er seine Interpretation der Synthese aus Wissenschaft und Kunst.

Kage präsentierte seit 1957 seine Werke im Kontext zur subjektiven Fotografie und apparativen Kunst in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen, Performances und Multimediaevents (z.B. bei den Olympischen Spielen, im Museum of Modern Art in New York, im ZKM Karlsruhe, auf der Biennale, der EXPO und der ars electronica sowie als ZERO Künstler und in Kooperation mit weiteren Künstlern wie z.B. Salvador Dalí).

Neben zahlreichen Preisen und Auszeichnungen wurde Kages Lebenswerk 2012 mit dem Kulturpreis der DGPh ausgezeichnet.

Die Deutsche Post AG würdigte Kages Werk mit der Sonder-Briefmarkenserie "Mikrowelten".

Bis kurz vor seinem Tod kreierte Manfred P. Kage Neuentwicklungen für seine künstlerische Mikrofotografie, Mikrovideo, der Videokunst und Multimediainstallationen.

Sein Lebenswerk wird durch seine Familie (Christina Kage, Ninja-N. Kage und Oliver Kage), die jahrelang eng mit ihm zusammenarbeiteten und gemeinsame künstlerische Projekte und Ideen kreierten, fortgeführt und weiter entwickelt.

Optisches Konzert:

Bereits 1961 entwarf Manfred P. Kage als Mitglied der Künstlergruppe ZERO sein bahnbrechendes Manifest "Zur Realisation des Optischen Konzerts".

Intention Kages war es Naturvorgänge im Mikrobereich in einer ästhetisch-künstlerischen Performance zu präsentieren. Dies realisierte er u.a. durch einen von ihm entwickelten "Optischen Synthesizer", mit selbstgebauten einzigartigen Projektoren, eigens für ihn gebauten Videosynthesizern sowie Film- und Fotoaufnahmen von mikroskopischen Strukturen. Diese Elemente, welche oftmals in Verbindung mit einer von Kage entwickelten achtkanaligen Lichtorgel gezeigt wurden, konnten schon damals in Echtzeit und interaktiv wie eine Art Piano-Klaviatur durch Kage abgespielt werden. Hiermit ermöglichte er den Zuschauern die sinnliche Wahrnehmung seiner Raum-Zeit-Dimensionen innerhalb des phänomenologischen Bewusstseins.

In fantastisch anmutenden Multimediaevents ließ Kage den Mikro-, Meso- und Makrokosmos miteinander verschmelzen und zeigte damit das "Wirken des kosmischen Designs von den Grenzen der kosmischen Materie über die unglaubliche Vielfalt der Mikrostrukturen in den galaktischen Transwelten".

Oft stand in diesem Zusammenhang das Mikroskop im Zentrum der Rätsel des Lebendigen, welches in unterschiedlichster Weise die Grenze der Größendimensionen überwinden kann ergänzt um die Vorstellungskraft, mit welcher man vielschichtige Raum- und Zeitdimensionen durchdringen kann.

Manfred P. Kages "Optisches Konzert" wird heutzutage in einzigartiger moderner Umsetzung als (multi)medialer, abstrakter Lichtraum oder Großprojektion an Kuppeldächer, in Naturräumen und architektonischen Bauten durch die Familie Kage (Künstlerkollektiv "K4i") meist als synästhetische interaktive Performance mit Livemusik unterschiedlicher Musikkünstler präsentiert und stetig individuell weiterentwickelt.

Die ursprüngliche Idee Manfred P. Kages die optischen Effekte live und in Echtzeit wie eine Art Klaviatur zu spielen ist auch heute zentraler Bestandteil der Performance.

In diesem abstrakten und dennoch realen Farbenrausch-Konzert treten auch heutzutage der Makro-, Meso- und Mikrokosmos miteinander in Synthese.

Historische analoge Effekte aus dem Mikrobereich und Aufnahmen der historischen Selbstbauprojektoren Manfred P. Kages werden mit von ihm und seiner Familie neu erstellten HD- und 4-K-Mikroaufnahmen (z.B. von kristallinen Strukturen oder winzigen ästhetisch schönen Mikroorganismen und Naturstrukturen) und speziellen, selbst gestalteten digitalen Effekten der Computerkunst zu einem Projekt des "Gestern-Heute-Morgen" kombiniert.

Diese neuartigen Effekte basieren auf den historischen Effektprojektoren und Mikroaufnahmen Manfred P Kages.

Mit dem "Optischen Konzert" eröffnen sich den Betrachtern erstaunliche visuelle Sehwelten, welche die unterschiedlichsten Dimensionen und Wirklichkeiten in Raum, Materie und Zeit miteinander verschmelzen lassen.

Ein Flug in geheimnisvolle, unbekannte und ferne Welten und weit darüber hinaus.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.